Antrag des
Distriktsvorsitzenden von Oberbayern ( C) Erhard Seibt, DC4RH
Text des Antrages:
Die
Mitgliederversammlung möge beschließen:
Im Interesse eines
ungestörten weltweiten Funkverkehrs aus Anlass des seit vielen Jahren
bestehenden „Jamboree on the Air“
(JOTA) wird der Worked all Germany Contest (WAG) entweder:
-
auf einen anderen
Termin verlegt, oder
-
in einen
zweigeteilten Wettbewerb mit CW- und SSB-Teil umgewandelt, von dem am3.Oktoberwochenende
nur der CW-Teil stattfindet.
Das zuständige
Referat wird vom Vorstand beauftragt, eine für das JOTA und den WAG akzeptable
Lösung zu finden.
Begründung:
1. Das internationale Jamboree on the Air (JOTA) ist eine
weltweite Veranstaltung mit etwa 1000 Amateurfunkstationen, bei dem sich ca.
500 000 Pfadfinder aus aller Herren
Länder auf den Bändern treffen und Kontakt untereinander aufnehmen.
2. Beim JOTA sind junge Pfadfinder, denen der Gedanke der
Völkerverständigung genau so am Herzen liegt wie uns Funkamateuren, mit großer
Begeisterung an dieser besonderen Amateurfunkaktivität beteiligt. Für den DARC
und seine Mitglieder sitzt bei dieser Veranstaltung ein beträchtliches
Potential für den Amateurfunknachwuchs an den Funkgeräten, mit dem wir aber nur
rechnen können, wenn wir die jungen Pfadfinder nicht schon bei dieser Aktivität
im Jahr durch chaotische bis
rücksichtslose Verhältnisse auf den Bändern verprellen.
3. Schon jetzt weichen etliche Pfadfinder auf das JOTI
(Jamboree on the Internet) aus und gerade das ist nicht in unserem interesse,
denn sie sind damit für den Amateurfunk wegen „schlechter Erfahrung“ verloren.
4. Pfadfinder werden mit um so größerer Freude an dieser
Aktivität teilnehmen, wenn sie auch wirklich weltweite Verbindungen zustande bringen
und diese auch bei mäßigen Bedingungen für sie noch verständlich sind. Während
geübte Funkamateure auch bei starken QRN und QRM durch benachbarte Stationen
noch Informationen, auf jeden Fall aber einen Rapport austauschen können, ist
das bei Pfadfindern in aller Regel nicht der Fall. Für sie ist das Verstehen
einer Gegenstelle auf Kurzwelle schon bei leichten Störungen schwierig. Wenn
bei DX-Verbindungen mit selektivem Schwund und starkem Fading noch „dicke“
Stationen im kHz-Abstand dazu kommen ist es fast unmöglich. Dazu kommen
ungewohnte Hilfsmittel wie Q-Gruppen, Amateurfunk-Abkürzungen, dass
internationale Buchstabieralphabet und die Verwendung einer Fremdsprache, die
das Verstehen erschweren.
5. Der Worked All Germany Contest(WAG) war bis zur Wende eine
kleine weitgehende unbeachtete Veranstaltung aus dem heutigen Ostteil von DL.
Heute ist in DL während des WAG halbwegs geordneter Betrieb von JOTA-Stationen,
die überwiegende Portabel-Stationen mit geringer Antennenausstattung sind,
nicht mehr möglich, da sie durch die starken Conteststationen regelrecht
„gebügelt“ werden. Ein Ausweichen auf die WARC-Bänder tagsüber bringt wenig,
weil andere „contest-unwillige“ Stationen ebenfalls auf die WARC-Bänder
ausweichen. Auch die Freigabe des KW-Bereichs für die frühere Lizenzklasse 2
hat die Zahl der Conteststationen zunehmen lassen.
6. Die Gründe für die seinerzeitige Festlegung des WAG-Termins
auf das JOTA-Wochenende können nicht nachvollzogen werden. Vermutlich hat man
einen Termin gesucht, an dem kein anderer weltweiter Contest stattfand. Der
Termin 3.oktoberwochenence ist aber bei Einführung des WAG möglicherweise nur
deshalb „contestfrei“ gewesen, weil die Amateurfunkvereinigungen anderer Länder
den JOTA-Termin bewußt nicht durch zusätzliche Contest-Aktivitäten
beeinträchtigen wollten. Hier soll beispielhaft auf die starke Unterstützung
der ARRL für den JOTA hingewiesen werden. Sie hat die Werbewirksamkeit
verstanden und würde sicher keinen Contest auf diesen Tag legen!
7. Die jetzige Situation ist so, als würde am gleichzeitig mit
dem WAG einen qrp-Wettbewerb stattfinden lassen. Wenn der DARC und die IARU den
JOTA-Gedanken nicht verkümmern lassen wollen, muss der WAG weichen oder
abgemildert werden. Anderenfalls verrichten wir bewußt auf Amateurfunknachwuchs
und auf zukünftige Mitglieder im Club.
8. Pfadfinder werden um so eher bereitwillige Gesprächspartner
auch von Nicht-Pfadfinderstationen aus aller Welt finden, wenn parallel kein
Contest läuft. Die Zahl der derzeit weltweit teilnehmenden Stationen ist
vermutlich sogar größer als bei vielen Contesten. Für die Belegung der Bänder
bedarf es dann an diesem Wochenende nicht noch eines zusätzlichen
Groß-Contestes.
9.
Am JOTA-Wochenende
hat ein weltweiter SSB-Contest auf den KW-Bändern im Interesse der
JOTA-Aktivitäten nichts verloren, wenn wir die Chance nutzen wollen, auch aus
Pfadfinderkreisen jungen Menschen für den Amateurfunk und für den Club zu
gewinnen. Für kein anderes Land ist die Beeinträchtigung durch den WAG so groß
wie gerade für DL! Das denkbare Gegenargument, die Zahl der Jamboree-Stationen
(in DL) ginge ohnehin zurück, verwechselt möglicherweise Ursache und Wirkung.
Der DVV Westfalen-Süd
stellt mit einem weiteren (kürzer begründeten ) Antrag ebenfalls die Forderung
nach Verlegung des WAG.